ROSA-Statement zur Bundestagswahl 02/2025

Am 23. Februar 2025 findet eine Bundestagswahl statt. Eine Wahl, die weitaus bedeutender ist als die meisten Wahlen, die viele von uns bisher erlebt haben.
Warum? Weil so vieles auf dem Spiel steht. So vieles, was die Generationen seit dem zweiten Weltkrieg und seit dem kalten Krieg aufgebaut haben, wofür wir gekämpft haben. Es geht um die großen Fragen unserer Zeit: Ob der Frieden bleiben kann, an den wir uns so sehr gewöhnt haben. Ob er eine Chance hat, zu wachsen. Darum, ob ein Ende der Klimakrise weiterhin angestrebt wird. Darum, ob wir uns dazu entscheiden, in Solidarität und Verständigung miteinander leben zu wollen, eine bessere Version der Welt für alle zu gestalten versuchen – oder eben nicht.
Es heißt, die Welt formiere sich gerade neu. Doch bei genauerer Betrachtung fällt sie lediglich in alte Muster zurück: Einzelne, meist männliche Regierungschefs verhandeln die Welt nach ihrem Gusto. Sie teilen die Karten aus, sie spielen, sie definieren die Regeln. Sie verbrennen die Welt, während die meisten Menschen nur hilflos zuschauen können. Und genau das ist das Problem daran, wenn die Demokratien sterben: die große Masse an Menschen auf der Welt verliert ihre Stimme.
Am 23. Februar 2025 findet eine Wahl in Deutschland statt, bei der wir alle (noch) eine Stimme haben. Wie werden wir uns entscheiden? Was sind eigentlich die Probleme, die wir lösen müssen?
Hört man Rechtspopulisten und -extremisten zu, lauten die Probleme: Migration. Wirtschaftsrezession, zu viele Verbote durch Klimapolitik, zu viel Regulierung, zu viel „Wokeness“. Gewalt durch Migration. In einer unsicherer werdenden Welt erscheint es manchen Menschen logisch und intuitiv, sich abzuschotten.
Doch in Wahrheit ist es andersherum: Die Art und Weise, wie wir mit der Welt umgehen, löst Fluchtbewegungen aus. Die zehn größten Risiken für unsere Weltwirtschaft sind alle klimawandel-bedingt. In einer von Kolonialismus, Klimawandel und Patriarchat gebeutelten Welt wird es immer mehr Flucht, immer mehr Gewalt, immer mehr Ungerechtigkeiten geben. Es werden keine Schafe im Trockenen bleiben. Eine Lösung für globale Schwierigkeiten wird in weite Ferne rücken, wenn alle gegen alle arbeiten anstatt miteinander.
In einer faschistischen Welt rückt auch die Geschlechtergerechtigkeit in weite Ferne. Frauen und queere Menschen, die schon immer viele Kämpfe parallel führen mussten, werden in einer gespaltenen und kriegsgetriebenen Gesellschaft erneut die Leidtragenden sein. Faschismus kann niemals feministisch sein und er wird alle bestehenden Ungerechtigkeiten der Welt verstärken. In einer faschistischen Welt wird es NGOs wie ROSA nicht mehr geben – sie werden bereits heute angegriffen.
In Zeiten des Populismus und der Desinformation verschieben sich die wahrgenommenen Realitäten. Das Instrument der Angst kann Berge versetzen – es sind jedoch die falschen Berge, und sie werden aus den falschen Gründen versetzt. Denn während beispielsweise der Anteil an Ausländer*innen in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland stark gestiegen ist, haben sich die Straftaten insgesamt verringert [1] – über Straftaten von ausländischen Menschen wird jedoch mehr berichtet [1]. Es werden mehr Menschen durch Rechtsextremismus getötet als durch zugewanderte Menschen [2]. Es gibt in Deutschland mehr Menschen mit rechtsextremem Weltbild (ca. 8 %) als Muslime (ca. 6,6 %) [3]. In 2023 wurden 509 Frauen in Deutschland im Rahmen häuslicher Gewalt getötet, wobei in mehr als 2/3 der Fälle der Tatverdächtige ein Deutscher war [2]. Jede Woche stirbt ein Kind im Straßenverkehr [4].
Warum also fürchten sich in Deutschland so viele Menschen vor Zuwanderung, während genau diese zugewanderten Personen einen so großen Anteil an unserem Wohlstand schultern? Warum versuchen wir nicht die Probleme zu lösen, die tatsächlich da sind? Unsere Krise ist nicht die Migration, unsere Krisen sind der Rechtspopulismus, der Klimawandel und das Patriarchat!
Weil Angst und Desinformationen ein faschistisches Instrument sind, ist es heute so wichtig wie vielleicht zuletzt 1933 in Deutschland, Haltung zu zeigen, mutig zu sein und schwesterlich zusammenzustehen. In Solidarität zu handeln mit allen, die diese Welt teilen und gestalten und dafür zu sorgen, dass wir den Lauf der Welt keiner kleinen (weißen, männlich-dominierten, rechten) Elite überlassen. „Nie wieder“ ist jetzt! Die Antwort lautet Solidarität, und wir sind Viele!
Eine funktionierende Gesellschaft braucht gemeinsame Nenner, eine Basis, auf die wir uns einigen können. Die Errungenschaften unserer Zeit lauteten: Alle Menschen haben unveränderliche Rechte. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Weitergedacht bedeutet dies auch: Menschen haben das Recht auf Gleichberechtigung, auf einen lebenswerten Planeten. Wenn wir diese Basis verlieren, verlieren wir alles.
Du hast eine Stimme. Geh am 23. Februar 2025 wählen und entscheide dich dafür, auch in Zukunft eine Stimme zu haben! Lasst uns bei dieser Wahl auch an die Menschen denken, die wertvoller Teil unserer Gesellschaft sind, jedoch kein Wahlrecht haben. Geh wählen für Demokratie, Vielfalt und Menschenrechte für alle!

Quellen

[1]
BKA 2024, Polizeiliche Kriminalstatistik,
BKA 1993, Polizeiliche Kriminalstatistik,
– Statistisches Bundesamt, Genesis Datenbank, 2025 &
– Expertise für den Mediendienst Integration, 2019

[2] BKA, 2024

[3]
Friedrich-Ebert-Stiftung, 2023 &
– Bundesministerium des Inneren und für Heimat

[4] Statistisches Bundesamt, 2021


Eine mobile Anlaufstelle für Frauen auf der Flucht

ROSA e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, humanitäre Hilfe geschlechtersensibel zu denken und Safer Spaces für Frauen auf der Flucht bereitstellt.

Seit 8. März 2022 befindet sich der Rolling Safespace auf der Halbinsel Attika in Griechenland, wo nördlich von Athen das gesamte Jahr über drei Geflüchtetenunterkünfte regelmäßig angefahren werden: Ritsona, Malakasa und Thiva.

Foto des ROSA-Trucks im Abendrot Griechenlands
ROSA-Truck im Abendrot Griechenlands

Im Oktober 2022 gründeten sich die ersten ROSA-Lokalgruppen in Deutschland, um auch hier aktiv für sichere Fluchtwege für alle Geschlechter einzustehen. Inzwischen gibt es bereits in neun deutschen Städten Lokalgruppen, die teilweise eigene Safer Spaces in ihren Städten etablieren.

ROSA konnte alleine im Jahr 2023 für mehr als 5000 Frauen einen Safer Space an der EU-Außengrerenze bereitstellen.

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